Filiale Berlin - 5. April - 18. Mai 2008
In einwandfreiem Design präsentieren sich bekannte Logos der Konsumwelt. Das aus Spanien stammende und auch in Berlin aktive Künstlerduo PSJM begreift sich als Label, das Kunst im ökonomischen Sinne produziert, sie wollen den Unterschied zwischen künstlerischer und industrieller Produktion verwischen. Befinden wir also uns in einer Galerie oder doch in einem leer geräumten Outlet for Sports Wear? Schauen wir genauer hin.
Die Globalisierung gebiert unscheinbare Monster in Form allseits präsenter Warenzeichen. Im allgegenwärtigen Sog des Merchandisings scheint es schwer, eine Distanz, einen unabhängigen, Konsum befreiten Raum einzunehmen, selbst in rein mentaler Hinsicht. Die zu Symbolen mutierenden Markenzeichen abstrahieren die Welt in eine unangreifbare Oberfläche von Etiketten und laden sie mit einer Vagheit an Bedeutung auf, die stets positiv konnotiert ist. Der Slogan Made by slaves for free people konterkariert anhand von Sport-Marken die dem Symbol anhaftende Magie mit einer unerwarteten Aussage. Sie schlagen die Reinheit der ökonomischen Ikongrafie ganz im Sinne der amerikanischen Pop Art mit dem eigenen Mittel der Wiederholung und erheben sie zur Kunst. Im neuen Kontext verlieren die Symbole der Popkultur ihre affirmative Stellung, ihre selbstverständliche Präsenz gerät ins Wanken und ihr Automatismus wird untergebrochen.
Wer der Sklave von wem ist fragen auch die in braver Manier gezeichneten Figuren des Wandprints Demonstration der Konsumenten. Die fein konturierte Harmlosigkeit des Ausdrucks paart sich mit einer unangenehmen Leere des Hintergrunds. Die Proteste dringen kaum nach außen. Das beinahe lebensgroße Bild einer Demonstration wird selbst zu einem entleerten Zeichen, das sich einreiht in die endlose Kette der auf immer andere verweisenden Zeichen. Dabei verliert sich die Möglichkeit einer klaren Bedeutung im globalen Konsumwald.
Der schematische, leere schwarze Kopf von Mickey Mouse hingegen demonstriert auf subtile Weise die Macht der uns programmierenden Formen. Die vakanten Ohren von Walt Disneys Supermaus lassen sich nicht vom Körper trennen; oder anders gesagt: Die omnipräsenten Waren-Zeichen führen uns ihre Simulationskraft vor Augen. Denn die Silhouette des Mausekopfes verweist auch ohne Gesicht allein auf Mickey, die sich wiederum nahtlos in die endlose, bedeutungs- und kritiklose Reihe konsumierbarer und somit beliebig zu deutender Zeichen einfügt. Auch die werbewirksame mystische Überhöhung der letztlich nur auf sich selbst bezogenen Zeichen beeinflussen latent unsere emotionalen Projektionen, halten sie unwiederbringlich besetzt und stellen so die Unbefangenheit des Konsums auf wacklige Füße.
PSJM haben die Konzentration der Industrie auf die Zeichenhaftigkeit ihrer Marken erkannt und entwerfen Ziel gerichtet ein stilles Design, das deren immanente Kräfte fast unbemerkt als solche in Frage stellt. Dabei lassen sie sich leiten von ihrer These, die besagt, dass die heutige Gesellschaft mehr durch den Konsum von Zeichen als durch den dazugehörigen Waren bestimmt sei. In diesem Sinne lässt sich PSJM als ein psychologisch agierendes Markenzeichen verstehen, das die Dingkonstanz aufrecht erhält und gleichzeitig auf leisen Sohlen zum Nihilismus aufruft.
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